Die Geschichte der Akademie für Ärztliche Fort- und Weiterbildung

"Die Qualität des ärztlichen Handelns hängt vor allem von einer ausgewogenen Fort- und Weiterbildung des einzelnen Arztes/der einzelnen Ärztin ab. Nur ein hoher Aus- und Fortbildungsstand sichert eine gute und kosteneffiziente medizinische Versorgung. Fortbildung soll Freude machen." Dies war die Meinung der Gründungsväter der Akademie.

Bereits 1956 wurde ein zentraler Ausschuss "Fortbildung" in der Landesärztekammer Hessen gegründet. 1963 wurde dann in der Delegiertenversammlung der Landesärztekammer Hessen über eine Fortbildungspflicht diskutiert. Außerdem wurde vorgeschlagen, als ständige Einrichtung zentral im hessischen Staatsbad Nauheim einmal im Jahr eine Fortbildung anzubieten. 1964 wurde auf der Delegiertenversammlung der Beschluss für den Bau einer zentralen Fortbildungseinrichtung der Kammer gefasst und am 21.02.1970 wurde die "Akademie für ärztliche Fortbildung" gegründet.

Die Förderung der beruflichen Fortbildung der Kammerangehörigen sollte entsprechend den Aufgaben der Landesärztekammer Hessen schon damals der Auftrag der Akademie sein. Sie sollte Fortbildungsveranstaltungen und insbesondere Seminare durchführen sowie die Richtlinien für den zu fordernden Fortbildungsumfang für Ärzte aller Altersgruppen erarbeiten.

Bereits vor der Gründung der Akademie wurden Eckpunkte für ihre spätere Struktur definiert. Viele haben bis heute Gültigkeit:

  • Die Aufgabe der Akademie ist die freiwillige, permanente Fortbildung für Ärzte aller Fachrichtungen. Die Fortbildung erstreckt sich sowohl auf die Vermittlung von theoretischem Wissen als auch von praktischen Kenntnissen.
  • Die Akademie ist eine Einrichtung der hessischen Landesärztekammer, die sehr bewusst mit weitgehender Selbständigkeit ausgestattet wurde. Sie besitzt einen eigenen Vorstand und Sektionsvorstände (heute Sachverständigenrat), eine eigene Satzung sowie einen eigenen Etat.
  • Die Akademie wird allein durch die Ärzteschaft getragen.
  • Hessische Ärzte (heute jeder Arzt) können ihr als Mitglied beitreten. Als äußeres Zeichen erhalten sie die blaue Plakette (die später zum Logo der Akademie geworden ist).

Die Akademie war bundesweit die erste dieser Art. Es wurden Sektionen gebildet, die fachbezogen oder interdisziplinär aktuelle medizinische Fragen, aber auch Innovationen diskutierten. Am 17.04.1971 wurde der erste Vorstand gewählt und die ersten Sektionsmitglieder berufen.

Die ersten Veranstaltungen fanden im Jahr 1972 im Fortbildungszentrum der Landesärztekammer Hessen in Bad Nauheim statt. Bereits Ende 1973 konnte die Akademie 1.650 Mitglieder verzeichnen, derzeit sind es ca. 6.000 Mitglieder. Seit Ende 1998 werden Fortbildungsmaßnahmen nach einem hier entwickelten, nachvollziehbaren Standard zertifiziert.

1977 wurde der Zusatz "Weiterbildung" in den Namen der Akademie aufgenommen. Ihre Aufgaben haben sich seitdem in den Bereich der Weiterbildung ausgedehnt. Waren es anfangs noch kleinere Elemente, die in der Akademie absolviert und auf die Weiterbildungsauflagen angerechnet wurden, so liegt heute in einigen Fachgebieten die vollständige Vermittlung der geforderten Theorieelemente in Bad Nauheim. Zunehmend werden auch Ergänzungen zur Weiterbildung angeboten, wie z. B. Repetitorien und Fachseminare.

Seit 1989 werden Veranstaltungen der Akademie evaluiert, seit 2004 geschieht dies umfassend und systematisch. Im Evaluationsverfahren bewerten die Teilnehmer einzelne Vorträge und Veranstaltungen sowie das gesamte Angebot der Akademie. Die Teilnehmerbefragung ermöglicht eine Rückmeldung an Referenten und Kursleiter zur Optimierung der Veranstaltungen. Darüber hinaus ergibt die systematische Erfassung der von Teilnehmern geäußerten Wünsche und Anmerkungen zusätzliche Planungsimpulse.

Mit der Eröffnung des Neubaus des Seminargebäudes am 31.08.2002 wurden die Voraussetzungen für weiteres zukunftsorientiertes Handeln geschaffen. Von den Gebäuden der ersten Stunde ist nur das 1973 feierlich in Betrieb genommene Akademiegebäude mit seinen beiden Veranstaltungsebenen und den Verwaltungsräumen noch in Benutzung. Es hat bereits mehrere Renovierungen erlebt, 2013 wurde mit einer umfassenden Modernisierung begonnen. Insgesamt stehen der Akademie in beiden Gebäuden Schulungsräume mit einer hochwertigen technischen Ausstattung zur Verfügung.

Auch heute ist es noch die Aufgabe der Akademie für Ärztliche Fort- und Weiterbildung, den Ärztinnen und Ärzten eine permanente, qualitativ hochwertige Fort- und Weiterbildung – produktneutral und industrieunabhängig – zu ermöglichen. Das Angebot hat sich in über 40 Jahren qualitativ wie quantitativ weiterentwickelt. Über Themen und Programme berät heute der Vorstand; zu bestimmten Themen kann der Sachverständigenrat, bestehend aus Fachleuten zahlreicher medizinischer Disziplinen, hinzugezogen werden. Der Akademie stehen zahlreiche Experten als Referenten zur Verfügung. Deren Engagement trägt wesentlich zur hohen Qualität der Bildungsangebote der Akademie bei.

Die Veranstaltungsformen haben sich von der Prävalenz großer Vorlesungen in Richtung kleinerer Gruppen mit Workshops entwickelt. Die Akademie bietet heute zudem hessenweit Veranstaltungen an.